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„Ein Gespenst geht um in Europa“, so Detlev Möller vom Lehrstuhl für Luftchemie und Luftreinhaltung in Cottbus, „das Gespenst des Feinstaubs.“ Wer sich heute zum Thema äußere, beim dem dürfe der Hinweis nicht fehlen, Feinstaub gefährde die Gesundheit, sei kanzerogen und verkürze unser Leben. Die WHO fand heraus, dass deswegen Jahr für Jahr 350 000 EUBürger ins Gras beißen müssen. Im Vergleich dazu war Tschernobyl eine eher bedeutungslose Verpuffung.
Die EU-Kommission ist noch besser informiert: Dank der Stäube sei die Lebenserwartung europaweit um 8,6 Monate verringert und im verstaubten Deutschland sogar um 10,2 Monate. Möller: „Wie man zu diesen Zahlen kommt, bleibt ein ‚Geheimnis’ – mit Wissenschaft, die wir als seriös voraussetzen, hat es keineswegs etwas zu tun.“ Erkennbar fassungslos verweist er auf die Kritik Kants „an den damaligen ‚höheren’ Fakultäten, die theologische, juristische und medizinische – die ihre Lehren aus der Bibel, dem Landesrecht und der Medizinalordnung anstelle aus der Vernunft, dem Naturrecht und der Physiologie ziehen“. Von solcher Logik wird „aber der brave Bürger angesprochen, der die Dinge für wahr befindet, wenn sie nur oft genug und vor allem von höherer Stelle ausgesprochen werden“.
Das gilt beispielsweise für die beliebigen Grenzwerte diverser Fachgremien und Politzirkel. Aus der Arbeitsmedizin ist durchaus bekannt, dass bestimmte Stäube schwerwiegende Folgen haben können, aber bei weitem nicht alle – und eher weniger solche, die im Feinstaub eine tragende Rolle spielen. Ärzte empfehlen „gerade für Menschen mit Atembeschwerden den Spaziergang am Meer oder das Wandeln im Gradierwerk“, obwohl dort die Feinstaubkonzentrationen besonders hoch liegen. Insofern ist der Hinweis auf eine Grenzwertüberschreitung ohne Kenntnis der fraglichen Stoffe wertlos und lässt sich – dank des Etiketts „Teufelszeug“ – nur noch theologisch begründen.
Wie wär’s, wenn die Umweltexperten mal die Feinstaubbelastung bei der vorsichtigen Bewegung ihrer Akten ermitteln würden? Dann dürften diese Räume – ebenso wie Bibliotheken – wahrscheinlich nur noch mit Feinstaubmaske, Risikozuschlag und regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen betreten werden. In Privatwohnungen hingegen wäre bereits dann Gefahr in Verzug, wenn Sie unterm Sofa die Wollmäuse husten hören ...
Möller D: Wie gefährlich ist Feinstaub? Umweltwissenschaften und Schadstoff-Forschung 2008; 20: 90-91
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